Genossenschaftsprinzipien

Genossenschaftsprinzipien

Doppelcharakter:Die Genossenschaft ist sowohl Wirtschaftsunternehmen als auch konkrete Sozial- und Kulturgemeinschaft.
Identitätsprinzip:Träger und Nutzer der Genossenschaftsleistung sind identisch.
Demokratieprinzip:Jedes Mitglied hat eine Stimme unabhängig von seinem Kapitaleinsatz.
Förderprinzip:Zweck ist primär die Mitgliederförderung, nicht der Dienst an Dritten oder der Allgemeinheit.
Nutzungsprinzip:Genossenschaften dienen nicht der Kapitalmehrung, sondern der Sicherung preiswerter Dienste; daher wird der Überschuß nicht nach Kapitaleinsatz, sondern gemäß der Nutzung (Verbilligung der Dienste) verteilt.
Solidaritätsprinzip:Der Zusammenschluss dient und fördert die wechselseitige Unterstützung, beispielsweise durch gemeinsame Haftung, gemeinsame Verantwortung und gemeinsame Arbeit.

Daraus ergeben sich für die Mitglieder…

Sowohl Rechte als auch Pflichten, die in der Satzung der jeweiligen Genossenschaft festgehalten oder per Beschluß geregelt sind. Die Grundlagen zu den wichtigsten Themen können Sie hier nachlesen:

Mitgliedschaft:Mitglied bei einer Genossenschaft wird man durch eine Beitrittserklärung und die Zeichnung der in der jeweiligen Satzung verankerten Mindesteinlage (Geschäftsanteil).
Wahlrecht:Jedes Genossenschaftsmitglied genießt aktives und passives Wahlrecht. Die Mitgliedschaft entscheidet somit direkt über die Unternehmenspolitik.
Wohnrecht:Genossenschaftliches Wohnrecht ist kein Eigentumsrecht, sondern ein Dauernutzungsrecht auf Lebenszeit.
Wohnungsvergabe:Wohnungen werden nur an Mitglieder vergeben. Die Vergabe richtet sich nach den Kriterien, die sich die jeweilige Genossenschaft selbst gibt und evtl. Kriterien, die mit öffentlich geförderten Wohnungen zusammenhängen (z.B. Einkommensgrenzen bei Inanspruchnahme von öffentlichen Fördergeldern). Altgenossenschaften führen in der Regel Wartelisten von Nichtmitgliedern, die dann zu Mitgliedern werden, sobald sie in eine freiwerdende Wohnung ziehen.
Kündigung:Sowohl das Mietverhältnis als auch die Mitgliedschaft (unabhängig von einer Wohnnutzung) bei einer Genossenschaft kann durch Kündigung beendet werden. Es gelten die jeweils in der Satzung verankerten Kündigungsfristen.

Abgrenzung von anderen Rechtsformen

Vom eingetragenen Verein (e.V.) unterscheidet sich die Genossenschaft vor allem darin, dass sie wirtschaftliche Zwecke verfolgt. Ein Verein hingegen verfolgt ideelle Zwecke und darf nicht auf einen wirtschaftlichen Zweck ausgerichtet sein; er finanziert seine Arbeit im Wesentlichen aus Mitgliedsbeiträgen und ggf. Fördermitteln. Seit 2006 ist als Genossenschaftszweck auch die Förderung „sozialer oder kultureller Belange“ der Mitglieder zulässig, so dass diese Abgrenzung nicht mehr so trennscharf ist wie früher.

Statt einer Genossenschaft bietet sich als Rechtsform gelegentlich auch die GmbH an, die ihr im formalen Aufbau (Organe) ähnelt, zumal es auch die Form der gemeinnützigen GmbH (gGmbH) gibt. Im Vergleich zur GmbH hat die Genossenschaft spezifische Vor- und Nachteile:

  • Zur Gründung einer Genossenschaft ist kein Mindestkapital notwendig (die GmbH erfordert mindestens 25.000 € Kapital)
  • Eine GmbH kann von einer Einzelperson gegründet werden, eine Genossenschaft muss mindestens drei Mitglieder haben.
  • Werte und Funktionsweise der Genossenschaft schaffen häufig eine stärkere Identifikation der Mitglieder.
  • Größere Genossenschaften können eine effektive und nachhaltige Organisationsform darstellen. Für kleine Genossenschaften (sobald sie über 20 Mitglieder haben) gilt dies nicht im gleichen Maße, da der obligatorische Aufsichtsrat einen hohen bürokratischen Aufwand darstellen kann.
  • Die Entscheidungsfindung in Genossenschaften ist demokratischer als in einer GmbH, weil das Stimmrecht nicht an die Höhe der Einlage gebunden ist. Jedoch hat die Generalversammlung der Genossenschaft kein Weisungsrecht gegenüber dem Vorstand – im Unterschied zur Gesellschafterversammlung der GmbH.
  • Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit ist für eine Genossenschaft schwieriger als für eine GmbH
  • Die Gründungskosten sind für die Genossenschaft höher, weil die Prüfung durch den Prüfverband obligatorisch ist.
  • Für kleinere und Kleinstgenossenschaften sind die Prüfungskosten -je nach Prüfverband- eine nicht zu vernachlässigende Position.
  • Buchhaltung und Steuer sind aufwändiger als bei einer GmbH, wird doch selbst eine Kleinstgenossenschaft vom Gesetzgeber, also vom Finanzamt, wie eine Kapitalgesellschaft (z.B. wie eine Bank) behandelt.
  • Schließlich unterliegt eine Genossenschaft hohen Auskunftspflichten gegenüber Mitgliedern und der Öffentlichkeit; dies kann im Sinne der Transparenz wünschenswert sein, kann sich aber auch im Wettbewerb problematisch auswirken.

Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass sich die Genossenschaft für eine sozialwirtschaftliche Organisation besser eignet. Stehen wirtschaftliche und 7 oder monetäre Motive im Vordergrund, kann die GmbH die geeignetere Form sein.

Auch jene, die aus Beruflichen Gründen häufiger den Wohnort wechseln müssen, sollten sich genau überlegen, ob Genossenschaft die geeignete Wohnform für sie ist.

Gentrifizierung

Die Gründung einer Genossenschaft als Mittel, der voranschreitenden Gentrifizierung entgegen zu wirken, ist nur bedingt geeignet. Besteht doch vor allem in kleinen (und Kleinst-) Genossenschaften die Gefahr, daß anfängliche Ideale mit zunehmender Alterung der Bewohner den Weg alles Vergänglichen gehen.

Ein Auszug aus der Mustersatzung für Wohnungsgenossenschaften:

§ 2 Zweck und Gegenstand der Genossenschaft

Zweck der Genossenschaft ist die Förderung ihrer Mitglieder vorrangig durch eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung sowie die Beförderung der Vermögensbildung der Mitglieder. Insbesondere fördert die Genossenschaft gemeinschaftliches, ökologisches und selbstbestimmtes Wohnen in dauerhaft gesicherten Verhältnissen.

Quelle: Mustersatzung VSWG

Der erste Satz verleitet oft dazu, daß gerade in einem gehobenem Wohnumfeld das Selbstbild der Genossenschaftler sich in Richtung „elitär“ bewegt. Sie haben die preiswerteren Wohnungen mit zunehmend guter Ausstattung… Und in einer elitären Gedankenwelt schwindet die Bedeutung des zweiten Satzes des § aus der Mustersatzung.

Eine Gefahr, die bei größeren Genossenschaften schon durch „die Masse“ nicht mehr besteht, der man nur sehr bedingt mit einer guten Auswahl der Genossenschafts-Mitglieder vorbeugen kann. Doch das ist der Punkt, bei dem man noch ansetzen kann.

Prognose: Unsicher, da es die Zukunft betrifft.